singfonie Ladies
Blaue Stunde im Eschborn K

Samstag, 11. April 2026, 17.30 Uhr. Das Eschborn K ist rappelvoll, sogar auf der Empore sitzen Leute. Von dort – also gewissermaßen „aus dem Off“ und unsichtbar für die meisten Gäste – stimmen wir mit 21 Sängerinnen das erste Lied des Konzerts an: Abend wird es wieder. Dann folgt ein eklatanter musikalischer Themenwechsel. Gisèle Kremer spielt am Flügel Improvisationen über Lieder der Nacht, während wir, die singfonie Ladies, und Bettina Kaspary, unsere Chorleiterin, die „Showtreppe“ herunterkommen und die in blaues Licht getauchte Bühne betreten.
Heiner, unser Erster Vorsitzender, begrüßt die Gäste, die sogleich aufgefordert sind, selbst aktiv zu werden. Und so besingen wir alle zusammen den aufgegangenen Mond, auch wenn der noch gar nicht zu sehen ist. Eine ganze Stunde lang folgt Stück auf Stück, manchmal dreistimmig, manchmal vierstimmig, a cappella oder mit Klavierbegleitung, dazwischen Mitsinglieder für das Publikum. Die Bandbreite reicht von klassisch bis modern, Stücke aus Oper (Abendsegen aus „Hänsel und Gretel“) und Musical (Memory aus „Cats“) bis hin zu Volkslied (Das ist die Nacht, aus dem Französischen) und Schlager (Capri-Fischer, Lieder der Nacht) erklingen im Saal, und viele Gäste sind mit Eifer dabei. Unter Bettinas klarem Dirigat gelingt es ihnen auch mühelos, den Kanon Abendstille überall zu einem hörenswerten Erlebnis zu machen.
Heiner unterbricht die musikalischen Blöcke mit kurzweiligen und informativen Moderationstexten, die so manchen Aha-Effekt auslösen. Wer weiß denn zum Beispiel schon, dass der Song Only Time für einen Zusammenschnitt von Videos der Attentate des 11. Septembers 2001 verwendet wurde? Oder dass in The Rhythm of Life aus dem Musical „Sweet Charity“ kein einziges Mal das Wort night (Nacht) vorkommt, das Stück aber trotzdem ins Programm passt, weil das Musical auf dem Film „Die Nächte der Cabiria“ beruht? Oder dass Reinhard Mey sein Gute Nacht, Freunde unter dem Pseudonym Alfons Yondraschek geschrieben hat?
Die „Blaue Stunde“, das ist dieser kurze, besondere Moment zwischen Tag und Nacht. Und genauso wie dieser Übergang viele verschiedene Farben hat, so vielfältig sind auch die Lieder dieses Konzertabends. Für die Zugabe verlassen wir die Bühne und stellen uns im Kreis um die Gäste auf, damit der Klang des zu Herzen gehenden Abendkanons sie von allen Seiten einhüllen kann. Gänsehaut garantiert.
Nach dem offiziellen Programm sind unsere Gäste noch zu einer kleinen After-Show-Party eingeladen. Die Sängerinnen haben Getränke, Knabbereien und Fingerfood gespendet, die im Foyer angeboten werden, und viele Besucherinnen und Besucher bleiben noch ein Weilchen, stoßen mit einem Glas Sekt auf den gelungenen Abend an und unterhalten sich angeregt. Als die letzten gehen, ist es schon dunkel. Sonnenuntergang war übrigens um 20:11:44 Uhr.
Text: S. Baumgart, Fotos: E. Heinz, V. Gutberlet
